Kanadas Schulsystem

Kanadas Bildungssystem liegt im internationalen Vergleich auf höchstem Qualitätsniveau. Das und vieles mehr macht es für ausländische Schüler so attraktiv eine kanadische Secondary School zu besuchen. In Kanada gibt es kein Bildungsministerium auf Bundesebene und daher auch kein einheitliches Bildungssystem. Die Zuständigkeit liegt bei den Bildungsministerien der zehn Provinzen. Das Schulsystem ist wie in Deutschland föderal gesteuert. Es unterscheidet sich aber in wesentlichen Punkten vom deutschen. Zum einen sind alle Schulen Ganztagsschulen. Zum anderen ist das kanadische Schulsystem "durchlässiger" als das deutsche, da Schüler nicht schon nach der 4. Klasse in eine Hauptschul-, Realschuloder Gymnasiumslaufbahn gepresst werden, sondern alle gemeinsam 12 Schuljahre durchlaufen. Das Konzept der Gesamtschule bietet den Schülern einen wesentlich größeren Raum, ihre Fähigkeiten, Begabungen und Interessen auszuprobieren und sich für ihren späteren Beruf zu orientieren. Die Schüler wählen für jedes Semester insgesamt vier Fächer aus. Neben den Kernfächern wie zum Beispiel Englisch, Mathematik und Geschichte und können außerdem aus einem attraktiven Kursangebot je nach persönlichem Interesse weitere Fächer auswählen. Das könnten zum Beispiel Physical Education (Sport), Modedesign, Tanz, Rhetorik,Schauspiel oder ein Handwerk sein. Der Beratungslehrer (Guidance Counselor) hilft den Schülern bei der Fächerwahl. Für die Gastschüler steht an jeder Schule ein eigener Berater zur Verfügung.

Clubs wie Fotografie, Computer, Theater oder Musik ergänzen die vielfältige Angebotspalette.So bietet das Schulsystem in Kanada den Gastschülern die Möglichkeit, Pflichtfächer und eigene Interessensschwerpunkte ideal zu kombinieren.

Der Unterricht erfolgt nicht, wie in Deutschland, im Klassenverbund, sondern die Schüler belegen ihre Kurse, in denen so genannte Credits erworben werden. Ist die erforderliche Leistung für eine bestimmte Stufe erreicht, rückt man in die nächste Stufe vor. Der High School Abschluss wird also durch den Erwerb der erforderlichen Credits erreicht. Nach Abschluss der 12. Klasse und nachdem die kanadischen Schüler die von der jeweiligen Provinz festgelegten Prüfungen absolviert haben, bekommen sie ihr High School Diploma. Um zur Universität zugelassen zu werden, muss man in der Sekundarstufe gehobene Kurse in Englisch und den naturwissenschaftlichen Fächern belegt haben.

Das Schuljahr ist in zwei Semester unterteilt.
Es beginnt Anfang September und endet Ende Juni. Das zweite Semester beginnt Anfang Februar. Ferien gibt es im Frühjahr und um Weihnachten jeweils zwei Wochen. Die großen Sommerferien dauern ca. neun bis zehn Wochen.
Der Lehrplan aller kanadischen Schulen beinhaltet die Kernfächer Mathematik, Englisch, Geschichte sowie eine Fremdsprache. Diese Fächer können immer in einem der beiden Semester gewählt werden.
Die Schule begreift sich als Gemeinschaft, in der sich die Schüler wohl und geborgen fühlen sollen. Leistungen werden gelobt, Ziele definiert und soziale Kompetenz vor stures Pauken gestellt. Trotzdem kann von "Kuschelpädagogik" keine Rede sein. Disziplin, Respekt und Verantwortung sind in klaren Regeln definiert. Es gibt besondere Schulprogramme, in denen die Werteorientierung und das soziale Verhalten vermittelt und gefördert werden. kanadische Schulen zeigen, dass kognitive Leistungen und soziales Lernen nicht im Gegensatz zueinander stehen. Die Schüler bekommen die Möglichkeit, neben dem Pflichtprogramm auch fächerübergreifend und anwendungsbezogen zu arbeiten. Damit fühlen sie sich dem Thema viel näher, als wenn sie für bevorstehende Prüfungen den Lehrstoff auswendig lernen. Da die Schüler in Kanada einen wesentlichen Teil ihres Tages in der Schule verbringen (ca. von 8.00 bis 15.30 Uhr) werden neben den Leistungsfächern auch viele Wahlfächer angeboten. Schauspiel, Computerkurse, Kunst, Werken, Instrumentalunterricht und Outdoor Education sind bei den Schülern sehr beliebt. Sport wird in Kanada ganz groß geschrieben. Die Schulen verfügen über gut ausgebaute Sportanlagen und entsprechende Ausstattungen für viele Sportarten. Je nach Lage der Schule und Jahreszeit können Gastschüler oft ganz neue Sportarten ausprobieren, wie zum Beispiel Golf, Kanufahren oder Eishockey. Jede Schule hat ihre eigenen Sportteams. Volleyball, Basketball, Baseball, Lacrosse (Ballsportart mit Netzschläger) und Hockey sind beliebte Mannschaftsspiele.

Da viele Aktivitäten im Rahmen von Schulveranstaltungen stattfinden, haben kanadische Schüler eine starke Bindung an ihre Schule. Sie sind stolz auf ihre Schule. Auch außerhalb des Schulalltags kommen Schüler, Lehrer und Eltern zusammen zu Sportveranstaltungen, Musik- oder Theatervorführungen. Die meisten Schulen unterhalten eine eigene Band, die bei Veranstaltungen auftritt und mehrmals im Jahr Konzerte gibt. Die Atmosphäre einer kanadischen Schule ist freundlich und entspannt. Man fühlt sich willkommen und zugehörig.
Canadier sind bekannt für Ihre Gastfreundschaft und Herzlichkeit gegenüber Ausländern. Wenn sie sich dazu entschließen einen Gastschüler aufzunehmen, dann tun sie das mit großer Leidenschaft und Bereitschaft, ihrem vorübergehenden Familienmitglied ein angenehmes Zuhause zu bieten. Die Familien werden von den dafür ausgebildeten homestay coordinators des jeweiligen Schulbezirks ausgewählt, geprüft und vorbereitet. Die homestay coordinators sind dann auch die Betreuer für die Schüler und helfen bei Fragen und Problemen. Sie halten regelmäßigen Kontakt zu den Schülern und stehen jederzeit zur Verfügung, wenn Hilfe benötigt wird.